Migration
3.-6.
Dezember 2012
Athen, TITANIA HOTEL

Europäische und griechische Migrationspolitik in Zeiten der Krise

Programm: 

Infolge der Verlagerung der Fluchtwege im Mittelmeer ist Griechenland heute eines der wichtigsten Transitländer für MigrantInnen auf ihrem Weg in die EU. Allein die Zahl der Flüchtlinge in Griechenland wird derzeit auf etwa eine Million geschätzt. Ihre Lage ist desolat: Die Verfehlungen der griechischen und der europäischen Migrations- und Asylpolitik haben in den letzten Jahren zu unmenschlichen Lebensbedingungen sowohl in den Städten als auch in den völlig überfüllten Internierungslagern geführt. Verschärft wird diese Entwicklung durch die Folgen der strikten Austeritätspolitik und der Rezession in Griechenland. Die steigende Armut und die hohe Arbeitslosigkeit haben seit dem letzten Jahr zu massiven Abstiegsängsten und sozialen Spannungen geführt, die sich in einem Anstieg der Gewalt gegen MigrantInnen entluden. Die Regierung spricht davon, bis zu 50 neue Internierungslager einzurichten; die Polizei macht wiederholt Jagd auf Irreguläre. Allein bei der Razzia Xenios Zeus Anfang August nahmen PolizistInnen insgesamt 6.400 Flüchtlinge fest. Angefeuert wurden sie dabei von Hetzreden aus den Reihen der neofaschistischen Partei Chrysí Avgí, die seit diesem Jahr mit 21 Sitzen (7 Prozent) im griechischen Parlament vertreten ist. Hinter dieser dramatischen Entwicklung stehen Entscheidungen der EU und ihrer größten Mitgliedsländer, allen voran Deutschland: Ebenso wie derzeit in Brüssel über die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit Griechenlands entschieden wird, hängt die Entwicklung der griechischen Migrationspolitik letztlich davon ab, ob sich die Länder ohne EU-Außengrenzen auf eine faire Verteilung der Flüchtlinge in der EU einlassen. Die bisherigen Anläufe zu einem europäischen Migrationsregime im Rahmen der so genannten Dublin-Verordnungen lassen dies jedoch bisher kaum erhoffen. Das benannte Spannungsfeld europäischer, griechischer und deutscher Migrationspolitik steht im Zentrum des Seminars zur „Europäischen und griechischen Migrationspolitik in Zeiten der Krise“. Das Seminar soll deutschen und griechischen VertreterInnen der Zivilgesellschaft, PolitikerInnen und JournalistInnen die Gelegenheit bieten, Wissen über die aktuelle Lage der MigrantInnen in Griechenland auszutauschen und diese in den Kontext europäischer Migrationsabwehr einzuordnen. Darüber hinaus soll das Seminar der Vernetzung zwischen griechischen und deutschen AktivistInnen dienen und einen Austausch darüber ermöglichen, wie auf nationaler und europäischer Ebene für eine andere Migrationspolitik mobilisiert werden kann.

FOTOS


BÜRO GRIECHENLAND
Kallidromiou Str. 17, GR 10680, Athen

 

RLS BERLIN
Franz-Mehring-Platz 1, DE-10243, Berlin
www.rosalux.de